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Feuerbrandrobuste Birnensorten für den Feldobstbau

FRUCTUS, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, präsentiert erstmals eine Broschüre mit Birnensorten, die sich aufgrund ihrer geringen Anfälligkeit gegenüber der hochansteckenden Bakterienkrankheit Feuerbrand und anderer Krankheiten für den Anbau in extensiven Feldobstanlagen eignen.

Hochstämmige Birnbäume prägen unser Landschaftsbild seit Jahrhunderten mit ihren grossen, besonders markanten und oft pyramidalen Kronen. Sie sind wertvolle Elemente der Kulturlandschaft und ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von obstgartenbewohnenden Vögeln, Kleinsäugern, Insekten und pflanzlichen Organismen wie Moosen und Flechten.

Immer weniger Birnbäume

In den letzten 50 Jahren sind in der Schweiz mehr als 10 Mio. oder rund 85% aller Hochstamm-Obstbäume verschwunden. Die Zahl der Birnbäume hat dabei deutlich stärker abgenommen als diejenige von Apfelbäumen. Fehlende Wirtschaftlichkeit, mangelnde Pflege und Siedlungsdruck sind nur einige der Gründe für das Verschwinden der Giganten. Mit dem massiven Auftreten der gefährlichen Krankheit Feuerbrand vor gut 10 Jahren ist die Zahl der Birnbäume noch einmal dramatisch gesunken. Einzelne von der Bakterienkrankheit besonders betroffene Sorten wie z.B. die häufig angebauten Gelbmöstler wurden deswegen vielerorts vollständig gerodet.

Da Birnbäume generell anfälliger für Feuerbrand sind als Apfelbäume, werden heute nur noch vereinzelte Hochstamm-Birnbäume gepflanzt. Was aus der Sicht der Produktion verständlich erscheint, bedeutet eine weitere Verarmung für die Landschaft, die Obstsortenvielfalt und die Biodiversität. Aber auch der Rohstoff Mostbirnen dürfte knapp werden: in Bioqualität sind Mostbirnen bereits heute Mangelware.

Nicht nur gegen Feuerbrand robust

FRUCTUS hat nun mit Unterstützung von IP Suisse und Migros-TerraSuisse ein Sortiment von Birnensorten zusammengestellt, die sich in Bezug auf die Feuerbrandanfälligkeit als robust erwiesen haben. Nach heutigem Wissenstand können diese Sorten für die Pflanzung auf hochstämmigen Bäumen empfohlen werden, die zu landschaftsrelevanten Bäumen heranwachsen sollen, wie das zum Beispiel im Rahmen von Landschaftsqualitäts- oder Vernetzungsprojekten erwünscht ist.

Nebst Feuerbrand erweist sich die durch Phytoplasmen verursachte Krankheit Birnenverfall (Pear Decline) als zunehmende Bedrohung für alte Birnbäume.
Bei der Sortenwahl wurde deshalb auch die Robustheit gegenüber dieser Krankheit stark gewichtet.

Datengrundlagen aus Feld und Labor

Als Grundlagen für die Empfehlungen dienten die Ergebnisse aus den Feuerbrand-Triebtestungen, die von FRUCTUS bei der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil in Auftrag gegeben wurden. Weiter sind die Erfahrungen und Feldbeobachtungen von Schweizer Birnenspezialisten und Experten aus dem nahen Ausland sowie Beschreibungsdaten aus verschiedenen Projekten verwendet worden, die Fructus in Zusammenarbeit mit Agroscope im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (NAP-PGREL) durchführte.

In der Broschüre finden sich Sorten von Tafel- wie Mostbirnen sowie Sorten, die besonders zum Dörren oder Brennen geeignet sind. Fructus wird die alten Birnensorten weiter beobachten und die Liste nach Möglichkeit erweitern und aktualisiert.

Die Broschüre steht unter http://www.fructus.ch als Download zur Verfügung oder kann auf der Fructus-Geschäftsstelle in Wädenswil bestellt werden, Telefonnummer 058 460 61 02.