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Die Frostschäden bewältigen

Frost

Die Folgen des Jahrhundertfrostes vom April sind für viele Obstproduzenten in allen Anbauregionen eine riesige Herausforderung und werden noch jahrelang Spuren hinterlassen. Schweizer Ware und Rohstoffe werden in Handel und Verarbeitung fehlen, Märkte müssen später wieder zurückerobert werden. Beim Schweizer Obstverband laufen die Bestrebungen zusammen, um die Betriebe bei der Bewältigung der immensen Schäden zu unterstützen.

Besuch des Bundesrats

Wenige Tage nach der ersten Serie von verheerenden Frostnächten führten wir eine Telefonkonferenz mit dem Bundesamt für Landwirtschaft durch. Wir orientierten die Bundesbehörden über die Lage und besprachen das weitere Vorgehen. Darauf besuchte Bundesrat Johann Schneider-Ammann am 28. April die geschädigten Kulturen. Er traf dabei mit der Spitze des Schweizer Obstverbands zusammen. In einer ersten Schätzung bezifferten wir den Produktionsausfall in den Obstkulturen auf rund 100 Mio. CHF. Hunderte von Obstbaubetrieben sind von diesem einmaligen, flächendeckenden Frostereignis betroffen. Wir beantworteten Fragen der Medien über die Ursachen, das Ausmass und die Auswirkungen und setzen uns auch weiterhin für eine sachliche Berichterstattung ein.

Existentielle Fragen für die Betriebsleiter

Die ausfallende Ernte stellt viele Betriebsleiter vor Liquiditätsprobleme. Sie mussten kurzfristig den Personaleinsatz, verbunden mit schmerzlichen Entscheiden, neu planen. Am 10. Mai beantragten wir zusammen mit den Verbänden der anderen betroffenen Branchen beim Bundesrat einen einfachen Zugang zu Betriebshilfedarlehen, die Stundung von Rückzahlungsraten von Investitionskrediten und die Entschädigung von Kurzarbeit. Diese gesetzlich geregelten Unterstützungsmöglichkeiten müssen jetzt so flexibel und breit wie möglich eingesetzt werden.

Doch für spezialisierte Betriebe, die einen Totalausfall zu beklagen haben und in den letzten Jahren viel investierten, dürften diese regulären Instrumente nicht ausreichen. Wir fordern den Bund deshalb auf, für Härtefälle eine finanzielle Unterstützung zu prüfen. Mit der befürchteten weiteren Zunahme von Klimaextremen werden wir eine Ernteausfallversicherung thematisieren. Die Branche wird zusammen mit dem Bund nach Lösungen suchen. Nationalrat Jacques Bourgeois reichte im Nationalrat eine entsprechende Motion ein.

Der SOV koordiniert weitere Aktivitäten

Letzte Woche trafen wir uns mit fondssuisse (vorher Elementarschadenfonds). Diese Stiftung nimmt sich Schäden nach Naturereignissen an, die nicht versichert werden können. Gemeinsam wurde nach Unterstützungsmöglichkeiten für stark betroffene, in ihrer Existenz gefährdete Betriebe gesucht. Hingegen lehnen die betroffenen Branchen einen Solidaritätsfond oder eine Sammelaktion mehrheitlich ab.

Bereits anlässlich seiner DV vom 21. April beschloss der Schweizer Obstverband, die Einführung der vorgesehenen Flächenbeiträge beim Steinobst auf 2018 zu verschieben. Der im Bahnhof Zürich geplante Event zur Absatzförderung der Kirschen findet nicht statt. Wir reduzieren auch andere Werbemassnahmen, um sie 2018 wieder zu verstärken. Die Produkt- und Fachzentren passen entsprechend ihrer Zuständigkeit die marktbezogenen Massnahmen wie Vermarktungskonzepte, Richtpreise und Grenzbewirtschaftung an.

Mehrere Kantone setzten Arbeitsgruppen ein und evaluieren nun ihre Möglichkeiten zur Unterstützung der betroffenen Betriebe. Der SOV steht mit den Ansprechpartnern auf allen Stufen in Kontakt. Weitere Gespräche in den nächsten Wochen sind erforderlich, um für die Betriebsleiter im Bedarfsfall die benötigte Unterstützung sicherzustellen. Entscheide mit grösserer Tragweite für die Branche wird der SOV-Vorstand fällen.