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Güttingertagung 2018

Güttingertagung 2018

David Stacher, SOV

«Wir möchten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren, nämlich gute Forschung für die Landwirtschaft zu betreiben», betonte Willy Kessler, Leiter Kompetenzbereich Pflanzen und pflanzliche Produkte Agroscope an der Güttingertagung vom 18. August.  Mittels Veranstaltungen, wie der Güttingertagung, möchte er den direkten Draht zur Produktion, zur Beratung und zum Handel nutzen. Die neu geschaffene Koordinationsstelle soll den Austausch zwischen Forschung und Praxis ebenfalls verstärken. Markus Hausammann, Nationalrat Kanton Thurgau, ist überzeugt, dass es auch weiterhin reale Ansprechpartner benötigt in den verschiedenen Regionen der Schweiz und nicht nur Satelliten. Somit spricht er sich klar gegen die Zentralisierung der Agroscope in Posieux aus.

Automatisierung im Obstbau

Pessl Instruments stellte die Feldmessgeräte iMETOS vor. Dies sind autarke Wetterstationen, die individuell mit Modulen auf die Bedürfnisse des Betriebes zugeschnitten werden können. Die Station zeichnet je nach Modul die Regenmenge, Blattnässedauer, Feuchtigkeit und Temperatur auf. Diese Daten können mit den Modellen von RIMpro verknüpft werden, um die Schorfprognose für den Betriebsstandort aufzuzeigen. Per App können die Daten jederzeit unterwegs abgerufen werden. Das Highlight bot jedoch die Robot Makers GmbH mit einem autonomen Mähroboter aus dem Weinbau, welcher für grosses Aufsehen sorgte. Lasergesteuert ist er im Stande selbstständig die Obstanlage zu mulchen. Die Programmierung und die Lasersteuerung ist übertragbar auf sämtliche Maschinen und könnte so auch für autonome Hackgeräte verwendet werden. Bei den Produzenten stiess die Vorführung auf grosses Interesse, da sich auch die Kosten im Rahmen halten für dieses System. Peter Fröhlich der Agricircle AG stellte eine hochmoderne Drohne vor, welche es ermöglicht mit einer Spezialkamera Krankheitsenzyme festzustellen. So ist man im Stande den Ausbruch von Krankheiten bereits im Anfangsstadium festzustellen. Um welche Krankheiten es sich handelt, kann jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgestellt werden. Durch Rückschlüsse auf vergangene Infektionsperioden kann jedoch mit grosser Sicherheit ebenfalls die Krankheit selbst bestimmt werden. Ob sich das System im Obstbau durchsetzen kann ist jedoch zurzeit noch Fraglich, da die Hagelnetze noch ein Hindernis sind für die Aufnahme der Daten.

Automatisierung im Obstbau

 

Neue Schädlinge im Obstbau

Barbara Egger, Agroscope, und David Szalatnay, Strickhof, haben dem Publikum invasive Schädlinge vorgestellt, welche sich in den letzten Jahren in der Schweiz ausbreiten konnten. Zum einen ist dies die marmorierte Baumwanze aus Asien und zum anderen die Mittelmeerfruchtfliege aus dem Süden Europas. Die Baumwanze konnte sich in der Schweiz bereits verbreitet etablieren und es sind vermehrt Schäden aufgetreten. Besonders in Birnenkulturen führen sie vermehrt zu Schäden auf den Früchten. Eingefallene, steinige Stellen machen die Frucht ungeniessbar. Da sich die Baumwanzen gerne zusammenrotten, können so grosse Schäden an den Kulturen auftreten. Zurzeit gibt es leider noch keine wirksame Bekämpfung der marmorierten Baumwanze. Die Mittelmeerfruchtfliege hat sich in der Schweiz noch weniger verbreitet und man ist sich noch nicht sicher, ob sie bei den vorherrschenden Bedingungen in der Schweiz überwintern kann. Man nimmt an, dass sie vor allem mit Importen von Zitrusfrüchten in die Schweiz gelangt. Die Schäden sind Anfangs nur schwer zu erkennen und auch die Raupe der Fliege kann nur schwer identifiziert werden in der Frucht. Bei einem Befall frisst sich die Raupe durch den Apfel und hinterlässt kaum sichtbare Frassgänge. Eine wirksame Bekämpfung ist auch bei diesem Schädling zurzeit nicht bekannt.

Nachhaltige Fungizidstrategien

Güttingertagung

Sarah Perren, Extension Obstbau Agroscope, informierte über die aktuellsten Erkenntnisse im Bereich der nachhaltigen Fungizidstrategien. Es konnte eine erste zukunftsweisende Strategie vorgestellt werden, die einen nahezu rückstandslosen Obstbau ermöglichen könnte. Es konnte der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln reduziert werden. So konnten auch die Rückstände im Vergleich zur herkömmlichen Produktion verringert werden. Die Strategie sieht vor chemisch-synthetische Fungizide und Insektizide nur bis zur Apfelblüte einzusetzen und setzt zugleich auf die Verwendung von toleranten/resistenten Apfelsorten. Danach werden ausschliesslich biologische Pflanzenschutzmittel verwendet. Um die Pflanzenschutzmitteleinsätze zu reduzieren, setzt man zudem vermehrt auf mechanische Massnahmen. Eine grosse Herausforderung wird jedoch die Lagerung sein. Die Ergebnisse eigen eine verminderte Lagerbarkeit, da verstärkt Lagerkrankheiten auftreten.

 

Bilder: Jost Brunner, Agroscope