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Aargauer Kirschenqualitätswettbewerb

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Dem Frost getrotzt: Bei Kurt & Fränzi Rennhard, Leuggern ist gut Kirschen essen

Dem Wettbewerb der Aargauer Kirschenproduzenten stellten sich 18 Teilnehmer, die allesamt in der vergangenen Woche, kurz vor Erntebeginn  von zwei Experten vom Verband Aargauer Obstproduzenten besucht wurden. Bei der Bewertung wurden Fruchtbehang, Fruchtgrösse, Fruchtqualität, Baumgesundheit  und Gesamteindruck am höchsten gewichtet.

Die Preisübergabe erfolgte am vergangenen Dienstagabend in den Kirschenkulturen von Kurt & Fränzi Rennhard in Schlatt, Leuggern. Die anwesenden Kirschenproduzenten diskutierten  intensiv über die verschiedenen Frostbekämpfungsmassnahmen vom vergangenen April und führten einen Erfahrungsaustausch.

Der Experte Franz Freiermuth betont, dass der Frühling und Vorsommer 2017 für die Kirschenproduzenten eine echte Herausforderung war. Sehr früh ging es anfangs April los mit der Blüte, welche sich dann bis über Ostern hinaus zog. In der Nacht auf den 20. April hatten wir eine Wetterlage mit Zufuhr polarer, bisiger  Kaltluft, mit vorgängigen Niederschlägen und örtlichen Schneefällen. In der folgenden Nacht und bis zu den letzten Apriltagen wurden die Kirschenproduzenten von bis zu 9 Frostnächten heimgesucht.  Tiefstwerte von – 5° bis -6° Celsius trafen die Kirschenjungfrüchte im empfindlichsten Stadium. Viele Kirschenproduzentern erlebten schaflose Nächte und versuchten verzweifelt, die Ernte zu retten. So auch Kurt & Fränzi Rennhard. Das Gras unter den Bäumen wurde kurzgehalten, der Boden als Wärmespeicher bewässert, mit Paraffinkerzen geheizt und zugleich  die Wärme mit bereits aufgespanntem Regendach über den Kirschbäumen zurückgehalten. Mit 240 Frostschutzkerzen heizte Rennhard seine Kirschkulturen, was ihn 2'500 Franken kostete. Bereits nach der ersten Kaltnacht waren die Frostschutzkerzen abgebrannt und ausverkauft. Mancher Obstbauer behalf sich mit Finnenkerzen, verbrannte Pellet-Säcke und Holzschnitzel. Rund 6'000 Franken kostete Rennhard die Frostbekämpfung seiner Kirschenkultur. 

Dass vor der ersten Frostnacht Schnee oder Regen fiel und eine zügige Bise blies, machte diese Bemühungen teilweise zunichte. Eine schwierige Entscheidung war das Aufspannen des Regendach über die Kirschenkulturen, wurden doch örtliche Schneefälle von den Meteorologen vorhergesagt. Es war nicht der sonst übliche Strahlungsfrost, der vor allem in Muldenlagen gefährlich ist. Es war sogenannter Advektions-Frost (Wind-Frost), der hochreichende  polare, bisige Kaltluft aus Nordosten herein fliessen lies. Den Kampf gegen den Frost gewann der Kirschenproduzent, der den riesigen, mehrere Nächte dauernden Aufwand, mit einer Kombination verschiedener Frostschutzmassnahmen traf. Im Aargau rechnen die Kirschenproduzenten nach dem Jahrhundert-Frost mit einem Ernteausfall von 75 – 80 % oder rund 4 Mio. Franken. Pessimistisch erwarten die Kirschenbauern dieses Jahr in allen Anbaugebieten der Schweiz einen Ertrag von 25 % einer guten Ernte, rund 0.8 Mio. Kilogramm Tafelkirschen, davon gegen 200'000 Kilogramm im Aargau. Gut Kirschenessen ist dieses Jahr bei Kurt & Fränzi Rennhard in Leuggern. Sie erreichten das Spitzenresultat. Dies sei der Lohn für die aufwendigen Frostschutzmassnahmen und schlaflosen Nächten, meint Rennhard. 

Insgesamt 18 Kirschenbauern kamen in den Gold-Rang

Ziel des wiederkehrenden Wettbewerbs vom Verband Aargauer Obstproduzenten ist, die Produzenten zu Höchstleistungen anzuspornen. Die moderne Kirschenanlage von Kurt & Fränzi Rennhard ist witterungsgeschützt gegen Hagel und Regen sowie mit Netzen gegen Vögel und gegen den neuen aggressiven Schädling Kirschessigfliege und zeigt sich zu Beginn der Ernte in einem hervorragenden Zustand. Die anstehende, rund fünf Wochen dauernde, gute Kirschenernte sei der Lohn für die Investition in den kapitalintensiven modernen Kirschenanbau und aufwendige Frostprävention im April, meint der Betriebsleiter Kurt Rennhard, der auf zwei Hektaren Kirschen produziert. Obwohl dieses Jahr die schönsten und Besten Kirschen aus dem Zurzibiet kommen, hat der Aargauer Kirschenanbau eine starke Verbreitung im Fricktal und dann in Einzelbetrieben im Aargauer Seetal, Freiamt,  Bözberg und Wiliberg.