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Kreisversammlung der Steinobstkommission SG/TG in Steinach

Steinobstkommission SG TG

Die Produktion will den Blick wieder nach vorne richten
Nachdem so ausführlich über die Frostschäden in den Obstkulturen berichtet wurde, entstand bei vielen Konsumenten der Eindruck, es gebe in diesem Sommer kein einheimisches Steinobst. Deshalb wird 2017 anstelle von Werbung und Degustationen eine offensive Kommunikationsstrategie gefahren, um die vorhandenen Mengen zu vermarkten. Zum Auftakt der Kreisversammlung der Steinobstkommission SG/TG von Ende Juni erhielten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Kirschenanlage auf dem gastgebenden Obstbaubetrieb von Heinz und Sandra Müller in Steinach SG zu besichtigen. Der Betriebsleiter schilderte, wie er in diesem Frühjahr mittels Frostberegnung grösseren Schaden und Ernteausfälle einzudämmen versuchte. Der immense Aufwand hat sich gelohnt: Ende Juni präsentierte sich die Anlage der Familie Müller mit den Frühsorten Merchant und Grace Star in üppiger Fülle. Dieser Standort profitierte auch von der Seelage.

Eine Reihe von Massnahmen
Im Anschluss an den Rundgang informierte Thomas Lehner, Präsident der Steinobstkommission SG/TG, über die Ernteaussichten beim Steinobst. Er thematisierte die Schätzungen der wirtschaftlichen Einbussen und die persönliche Belastungssituation aus den Frostnächten und Schneefällen im April. Nun müsse der Blick wieder nach vorne gerichtet werden. Für die Zwetschgen sei in der Ostschweiz mit 60-70 % Ernteausfällen zu rechnen. In Seelagen und in Mörschwil hingegen sei mit zufriedenstellenden Ernten zu rechnen. Die kommende Ernteschätzung wird genauere Zahlen liefern. Die Ernteausfälle im Obstbau bewirkten die Prüfung der Möglichkeiten, auch seitens des SOV. Es gibt eine Reihe von Massnahmen: Dazu gehört das Zurückstellen der Beitragsänderung im Steinobstanbau, die Streichung sämtlicher Werbung (auch der Degustationen) beim Steinobst, Abklärungen bei Fonds Suisse, Prüfung einer Frostversicherung, die Forderung nach der Möglichkeit von steuerlichen Rückstellungen für Spezialkulturenbetriebe und die Prüfung der Stundung von IK (Investitionskrediten) oder Betriebshilfedarlehen über die GLIB (Genossenschaft für landwirtschaftliche Investitionskredite  und Betriebshilfe) oder die LKK (Landwirtschaftliche Kreditkasse).  Thomas Lehner bedankte sich besonders beim BBZ Arenenberg und beim Zivilschutz für die Unterstützung während der Frostnächte und nach dem Schneefall, der an einigen Orten die Steinobstanlagen erdrückte.

Richard Hollenstein vom LZSG Flawil und das gastgebende Betriebsleiterpaar Heinz und Sandra Müller aus Steinach SG ermöglichten die Durchführung einer informativen Kreisversammlung der Steinobstkommission SG/TG.
Richard Hollenstein vom LZSG Flawil und das gastgebende Betriebsleiterpaar Heinz und Sandra Müller aus Steinach SG ermöglichten die Durchführung einer informativen Kreisversammlung der Steinobstkommission SG/TG.

Unverständnis für Tiefstpreis-Aktion
Die Ernteschätzung 2017 liegt bei 809 Tonnen Kirschen. Deren Vermarktung dürfte eine grosse Herausforderung werden, denn situativ stehen viel Importmenge und wenig Inlandmenge einander gegenüber. Die Kalenderwochen 27-29 sind die Haupterntezeit. Durch die starke Hitze in den letzten beiden Juniwochen sei damit zu rechnen, dass ein starker Anstieg auch bei den 24 + erfolgt und grosse Mengen gleichzeitig reif sind. Dies erlaube es weniger, den Markt, wie eigentlich gewünscht, gestaffelt zu beliefern. Thomas Lehner informierte aus dem nationalen und regionalem Produktzentrum. Er stellte fest, dass mit einem 10 % höheren Preisniveau gegenüber dem Vorjahr gestartet wurde. Diese zunächst vielversprechende Aussicht wurde getrübt durch die Tiefstpreis-Kirschenaktion eines Discounters mit Importware aus Italien. Die Aktion wurde von den Versammlungsteilnehmern mit Unverständnis aufgenommen (insbesondere in einem Jahr, in welchem die inländischen Mengen so gering sind), und löste eine angeregte Diskussion aus. Thomas Lehner veranschaulichte die Handelsstrukturen der Discounter und erklärte, dass solche Aktionen in der Regel einige Monate zuvor eingeplant werden. Und dass diese dem Discounter in erster Linie als Frequenzbringer für die Läden dient und dabei die Marge zweitrangig sein dürfte. Es sei nicht zu leugnen, dass die ausländische Konkurrenz qualitativ und geschmacklich nicht unbedingt „auf der schlechten Seite stehe“. Deshalb sei es nicht empfehlenswert, wenn der Saisoneinstieg mit Sorten wie Burlat und Earlise erfolgt, deren Qualität nicht überzeugend sei.

Möglichkeiten des neuen Preisbildungssystems
Vom 23. bis 27. Juni wurde ein Importkontingent von 200 Tonnen festgelegt: Dies sollte dazu führen, dass mehr einheimische Kirschen den Weg in die Regale des Detailhandels finden. Thomas Lehner sagte, dass für diese Erntesaison Medieninfos wichtiger sind als Werbung. Es gilt, die Konsumenten „aufzuklären“, und breit darüber zu informieren, dass es Schweizer Kirschen gibt. Es wurde so ausführlich über die Frostschäden berichtet, dass der fälschliche Eindruck entstand, es gebe keine einheimischen Früchte.  Zum Meldewesen bemerkte er, dass bis jetzt noch nicht alle Obsthändler in der Region ihre Mengen bekanntgegeben haben und mit dem SOV die Marketingbeiträge abrechneten. Ein solches Vorgehen akzeptiere man nicht und wolle „Trittbrettfahrer“ eindämmen. Thomas Lehner hatte im Verlaufe des Abends das neue Preisbildungssystem erwähnt: Der Gastreferent Hubert Zufferey, Fachmitarbeiter beim SOV, lieferte in seinem Kurzreferat vertiefte Informationen, was das neue System den Produzenten bringt. Der Referent erinnerte daran, dass vor 12 Jahren das Segment Premium eingeführt wurde. Man habe nach Grossernten festgestellt, dass das bisherige Preisbildungssystem versagt. Zu den Möglichkeiten des neuen Systems gehört, dass wieder Produzentenrichtpreise festgelegt werden. Hubert Zufferey sagte, ein wesentlicher Vorteil des neuen Systems ist, dass es für alle Marktpartner verständlich ist. Und die Preisgestaltung werde flexibler und kann situativ angepasst werden.

Mehr Transparenz
Das neue Preisbildungssystem wird auf der Handelsseite zu mehr Diskussionen anregen. Laut dem Vermarktungskonzept beteiligt sich die Produktion mit einem Aktionsbeitrag.

Zu beachten gilt: Nicht alle Detailhändler beteiligen sich an Aktionen. „Die Produzenten müssen sich beim Händler erkundigen, denn der Aktionsbeitrag ist nicht obligatorisch. Somit ist der Aktionspreis Verhandlungssache. Es entsteht Verhandlungspotenzial seitens der Produzenten“, ist Hubert Zufferey überzeugt, der sich für dieses neue System engagierte. Das neue System soll mehr Transparenz ermöglichen, insbesondere für die Produzenten. Thomas Lehner, der in der Arbeitsgruppe, die das neue System erarbeitete, Einsitz hatte, erhofft sich vom neuen System flexiblere Aktionsbeiträge, ein situativeres Reagieren auf veränderte Marktsituationen und dass das Preisgefüge „ins Lot gebracht werden kann“.

Isabelle Schwander, Mettendorf

Mittels Frostberegnung konnten der Betrieb Müller in Steinach SG grösseren Schaden und Ernteausfälle in der Kirschenanlage verhindern.
Mittels Frostberegnung konnten der Betrieb Müller in Steinach SG grösseren Schaden und Ernteausfälle in der Kirschenanlage verhindern.