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Zürcher Obst- und Beerenproduzenten liessen sich informieren

Georg Bregy

Rückstände und rechtliche Grundlagen im Früchtebereich

Aktuell sind Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln in aller Munde. Deshalb liessen sich die Zürcher Obst- und Beerenproduzenten über diese umfassende Problematik orientieren, wobei auch Hintergründe aufgezeigt worden sind.

Die aktuelle und vielfach auch emotionell geführten Diskussionen um Rückstände von Pflanzenschutzmitteln füllen die Medien. Insbesondere die Diskussionen um ein mögliches Verbot von Glyphosat erregt die Gemüter und zugleich stehen in den nächsten Jahren umfassende politische Diskussionen und Entscheide rund um Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln an. „In der Schweiz regelt und legt die Verordnung des EDI über die Höchstgrenze für Pestizidrückstände in oder auf Erzeugnissen pflanzlicher und tierischer Herkunft die Rückstandshöchstgehalte fest“, hielt Georg Bregy, Direktor des Schweizer Obstverbandes fest. Diese Werte basieren auf toxikologischen Eigenschaften, Berechnungen, Verzehr, Sicherheitsfaktoren und Tierversuchen. Dabei machte Bregy deutlich, dass die Bevölkerung und Wissenschaft unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Risikobeurteilung haben. So schätzt die Bevölkerung Pestizide als sehr risikoreich ein, während pathogene Bakterien oder Schimmelpilze für sie weniger eine Gefahr darstellen. Dies sieht gemäss Bregy die Wissenschaft anders, indem sie die beiden letztgenannten als deutlich risikoreicher erachtet und bewertet. Deshalb sind für die produzierende Landwirtschaft die Rückstandshöchstgehalte als Beurteilungswert zu betrachten, wobei es kaum Überschreitungen gibt. „Die gesundheitliche Unbedenklichkeit steht über der guten Pflanzenschutzpraxis. Technisch unvermeidbar, aber auf jeden Fall gesundheitlich unbedenklich, weil grosse Sicherheitsreserven eingebaut sind und Pflanzenschutzmittel  zu den besten untersuchten Substanzen gehören“, so Bregy’s Klartext. Dabei verwies er auch auf andere Stoffe (Medikamente etc.) , welche wir täglich ebenfalls ausgesetzt sind. Dabei übte Bregy auch leise Kritik an den Medien, welche mit Halbwissen und Fake News die Tatsachen aufbauschen und so die Verunsicherung gar anheizen. Zugleich sieht er hinter dieser enormen Welle der Kritik auch ein gewisses alternatives Geschäftsmodell und Thema für Weltverbesserer. Anderseits verwies er auf die vorhandenen Vorgaben der Produktionsmethoden bis auf Stufe des biologischen Landbaues, wo entsprechend der Bewirtschaftungsform man sich an die Listen der erlaubten Pflanzenschutzmittel zu halten hat. „Der Produzent muss in erster Linie eine einwandfreie Produktionsmethode gewährleisten. Diese reicht aus, um die Rückstandsvorgaben einzuhalten“, so Bregy's Botschaft

Festlegung der Grenzwerte

Georg Feichtinger von der Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof zeigte auf, wie die Rückstands-Höchstwerte  festgelegt werden.  „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei“ so Paracelsus Aussage im September 1538, welcher Feichtinger nutzte, um auf die aktuelle Diskussion hinzuweisen. Die Festlegung von Grenzwerten bei Rückständen aller Art basiert auf einer akuten Referenz Dosis (ARfD).  Somit dürfen Rückstände zu keiner erhöhten Mortalität, zu keinen Gewebeveränderungen und keinen Einfluss auf die Reproduktion haben. Bei der exakten Berechnung wird zudem zusätzlich eine 100-fache Sicherheit eingebaut. Dabei sind es Konzentrationen, welche bei guter Agrarpraxis erreicht werden. Entsprechend basiert die Verbrauchersicherheit auf Tierversuchen zur Ermittlung der unwirksamen Dosis bei lebenslanger täglicher Aufnahme. In der landwirtschaftlichen Praxis durchlaufen neue Pflanzenschutzmittel eine zweijährige Anwendung entsprechend den Vorgaben. Danach werden auf dem Erntegut die Rückstände ermittelt, wobei der grösste gemessene Wert als unvermeidbarer Rückstand gilt und für die Zulassung entscheidend ist.

Doch wer glaubt, dass es im Ausland viel besser ist, dem ist ein Blick in den Jahresbericht des Zürcher Kantonschemikers zu empfehlen, wo Importe ebenfalls einer Untersuchung unterstehen. Feichtiger zeigte auch auf einem Auszug die Prüfwerte von importiertem Gemüse vor allem aus dem fernen Osten auf, wo die Höchstwerte oftmals um ein vielfaches überschritten werden. Gemäss der Probenerhebung des kantonalen Labors sind in der Schweiz gerade 0,7% aller Proben beanstandet worden.  Jene Kontrollmessungen aus dem EU-Raum liegen bereits bei 2,1 %. Alles was aus Übersee kommt übertrifft 10 %. Aus Südamerika sind es 11, aus Afrika 14, aus Vorderasien 19 und auch Asien gar 28 %.

Roland Müller