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Der verantwortungsvolle Umgang mit Insektiziden verhindert Bienenvergiftungen

Bienen

Werden die Anwendungsauflagen bienengefährlicher Insektizide nicht eingehalten, können Bienen im Umfeld der Kulturen massenhaft vergiftet werden. Der Bienengesundheitsdienst stellt fest, dass die Vergiftungen 2017 meist durch Pflanzenschutzmittel verursacht wurden, die erst nach der Blüte angewandt werden dürfen (BBCH69) oder durch Rückstände in nicht gemulchten blühenden Unterkulturen.

Im vergangenen Jahr wurden dem Bienengesundheitsdienst deutlich mehr Vergiftungsverdachtsfälle (27) gemeldet als in den Vorjahren. Auch die Anzahl tatsächlich nachgewiesener Vergiftungen war überdurchschnittlich hoch. Bei den 13 bestätigten Fällen waren Insektizide für den Verlust der Flugbienen oder den Tod von ganzen Bienenvölkern verantwortlich. In über der Hälfte aller Vergiftungen (7 von 13) waren die extrem bienengiftigen Neonikotinoide Thiamethoxam, Clothianidin oder Imidacloprid der Auslöser, obwohl für die drei Wirkstoffe zur Vermeidung von Vergiftungen klare Anwendungseinschränkungen bestehen.

«Wir haben festgestellt, dass Pflanzenschutzmittel wie beispielsweise Actara im Obstbau falsch angewandt wurden», erklärt Marianne Tschuy vom Bienengesundheitsdienst und erläutert: «Entweder wurde das Mittel zu früh gespritzt (in die abgehende Blüte) oder blühende Unterkulturen/Unkräuter nicht gemulcht». Erst das Blütenstadium BBCH 69, Ende der Blüte, ist zum Spritzen erlaubt, hingegen BBCH 67, abgehende Blüte, ist definitiv zu früh.

Auffällig ist 2017, dass neben den drei bereits erwähnten Neonikotinoiden auch Indoxacarb viele Vergiftungen verursacht hat. Für diesen bienengiftigen Wirkstoff wurde die Auflage SPe8* bisher nur für die Anwendung im Raps verfügt. Für den Einsatz im Reb- und Obstbau fehlt derzeit eine entsprechende Auflage. Diese wird aufgrund der Gefahr für die Bienen aber schnellstmöglich ergänzt. Anja Ebener, Geschäftsleiterin des Kompetenzzentrums apiservice, appelliert an die Verantwortung der Landwirte: «Zum Schutz der Bienen vor Vergiftungen, sollte der Auflage von Indoxacarb im Reb- und Obstbau ab sofort Rechnung getragen werden.»

Auch beim Einsatz des Wirkstoffes Chlorpyrifos ist grosse Vorsicht geboten. Dieser ist ebenfalls stark bienengiftig. Die Substanz ist Verursacher mehrerer Vergiftungsfälle. Der Bienengesundheitsdienst erinnert daran, dass die geltenden Auflagen unbedingt einzuhalten sind und dieses und andere bienengiftige Insektizide vorsichtig einzusetzen sind. Durch den verantwortungsvollen Umgang können unnötige Vergiftungen der auch für die Landwirtschaft wichtigen Bienen vermieden werden.  

*SPe 8 - Gefährlich für Bienen: Darf nicht mit blühenden oder Honigtau aufweisenden Pflanzen (z.B. Kulturen, Einsaaten, Unkräutern) in Kontakt kommen. Blühende Einsaaten oder Unkräuter sind vor der Behandlung zu entfernen (am Vortag mähen/mulchen). Darf nicht angewendet werden, wenn sich in benachbarten Parzellen blühende Pflanzen befinden.

Quelle: apiservice